Wenn jemand von Alltagshelden spricht, denken einige vielleicht an Feuerwehrmänner, Polizisten oder ähnliche Berufsbilder. Ich hoffe aber, dass es für keinen Alltag ist, von diesen Berufsbildern gerettet zu werden. Für mich ist mein Alltagsheld jemand, der mir jeden Tag meinen Alltag etwas erleichtert, ohne mich zu kennen.

In diesem Fall geht es um die Busfahrer, die mich jetzt wo es kalt ist, meistens pünktlich überall hinbringen. Zur Schule, zu Freunden, in die Stadt.

Ich bin eigentlich nicht der Mensch, der dauer-grinsend durch die Gegend rennt, aber vor ein paar Wochen als ich einen schlechten Tag hatte, dachte ich mir: „Hey, schenk dem Busfahrer ein Lächeln, vielleicht war sein Tag ja genauso scheiße.“ Beim Einsteigen hielt ich also mein Abo hoch und lächelte. Er lächelte zurück.

Vielleicht war er nur höflich, aber ich widerspreche dieser These einmal, denn ich glaube unterschieden zu können, ob sich jemand freut, oder ob jemand nur höflich ist. In jedem Fall bin ich froh, damit angefangen zu haben, denn jetzt nach einigen Wochen gibt es schon Busfahrer, die mich grüßen. Und das nur, weil ich sie beim Einsteigen anlächle.

Natürlich ärgert man sich, wenn der Bus zu spät kommt. Oder, wenn er gar nicht kommt. Aber in den seltensten Fällen ist das die Schuld des Fahrers, denn auch er kann keine Staus weghexen, wenn irgendwas am Fahrzeug kaputt ist, kann er auch nichts dafür und für Fahrgäste, die erst noch fragen müssen, ob das der richtige Bus ist und ob ihre Haltestelle sicher angefahren wird, für die kann er auch nix. Manchmal mag es auch vorkommen, dass der Busfahrer beispielsweise zu lange Pause gemacht hat, aber in neun von zehn Fällen wird er wohl nichts an der Verspätung ändern können.

Auch unter Busfahrern gibt es Arschlöcher, das will ich gar nicht bestreiten. Zum Beispiel die, die an einer Haltestelle nicht halten, „weil du zu spät gedrückt hast“. Ich – was? Es ist dein Job jede Haltestelle anzufahren! Ob ich jetzt direkt nach der vorigen Station drücke, oder zehn Sekunden vor dieser. Oder die, die eigentlich Kunstrestaurator werden wollten und dein Abo jetzt so eingängig studieren, als ob er einen Monet unter der Nase hätte, den er für eine Fälschung hält. Ich hab mein Abo nicht mit Wachsmalkreide gemalt, und ja das auf dem Foto bin wirklich ich, da war ich halt noch blond.

Aber es gibt auch wahre Engel. Menschen, die beinahe schon zu gut für diese Welt sind. Eine ältere Dame, die sehr schlecht zu Fuß war, erzählte einem jungen Busfahrer einmal, dass sie zur Apotheke müsste, um wichtige Medikamente abzuholen. Der Busfahrer hielt zusätzlich zu all den Haltestellen noch genau dort, wo der Weg zur Apotheke am kürzesten war, damit die ältere Dame nicht so weit laufen musste. Das Ganze hat alle anderen Fahrgästen eine halbe Minute gekostet, aber der Dame vermutlich einige Schmerzen erspart. Es hat mir als Pessimistin gezeigt, dass vermutlich nicht alle Menschen schlecht sind.

Zu alldem kommt noch, dass sich die Wahrscheinlichkeit, dass ich pünktlich bin, mit dem Benutzen von öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich steigert. Wieso? Wenn ich einen Fahrplan habe, an den ich mich halten muss, weil der nächste Bus definitiv zu spät wäre, dann halte ich mich auch daran. Wenn ich selbst verantwortlich meine Zeit einteile, dann verschätze ich mich oft gnadenlos. Mein Zeitgefühl ist einfach nicht das Beste.

Also: Danke liebe Busfahrer, dass ihr mir meinen Alltag erleichtert!